Genau so gehen Anfragen verloren, ohne dass es der Betrieb je erfährt. Denn wer abspringt, hinterlässt keine Nachricht. Dieser Ratgeber erklärt, warum Geschwindigkeit gerade für lokale Unternehmen zählt, wie Sie sie selbst messen und welche Ursachen am häufigsten bremsen.
Mobile Suche ist ungeduldig
Lokale Suchen finden oft unterwegs statt: zwischen zwei Terminen, in der Mittagspause, auf dem Weg nach Hause. Die Verbindung ist dann nicht immer gut, etwa in der U-Bahn unter der Innenstadt oder in Gebäuden mit dicken Wänden.
Wie ungeduldig Nutzer sind, zeigen Zahlen, die Google selbst veröffentlicht hat. Laut einer Auswertung von Google/DoubleClick aus dem Jahr 2016 werden 53 Prozent der Besuche mobiler Websites wahrscheinlich abgebrochen, wenn das Laden länger als drei Sekunden dauert (Google: „The Need for Mobile Speed“). Eine Untersuchung von Google und SOASTA (Daten von 2017, veröffentlicht 2018) kam zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit eines Absprungs um 32 Prozent steigt, wenn die Ladezeit von einer auf drei Sekunden zunimmt (Think with Google, Archivkopie; die Originalseite ist nicht mehr erreichbar). „Absprung“ heißt: Jemand verlässt die Seite, ohne weiter zu klicken.
Diese Zahlen sind einige Jahre alt und beziehen sich auf große Datenmengen, nicht auf einen einzelnen Betrieb in Essen. Die Richtung ist aber eindeutig: Jede Sekunde Wartezeit gibt Menschen einen Grund, es woanders zu versuchen. Bei lokalen Leistungen ist „woanders“ nur einen Fingertipp entfernt.
Was Google unter „schnell“ versteht
Google bewertet die Nutzererfahrung einer Seite unter anderem mit den sogenannten Core Web Vitals. Das sind drei Messwerte, die echte Besuche abbilden (web.dev: Core Web Vitals):
- Largest Contentful Paint (LCP): Wie lange dauert es, bis der größte sichtbare Inhalt – meist ein Bild oder eine Überschrift – erscheint? Als gut gilt ein Wert von höchstens 2,5 Sekunden.
- Interaction to Next Paint (INP): Wie schnell reagiert die Seite, wenn jemand tippt oder klickt? Als gut gelten höchstens 200 Millisekunden. INP hat im März 2024 den älteren Wert „First Input Delay“ abgelöst.
- Cumulative Layout Shift (CLS): Wie stark springen Inhalte beim Laden herum? Als gut gilt ein Wert von höchstens 0,1. Ein typisches Beispiel für schlechten CLS: Man will auf „Termin buchen“ tippen, und im letzten Moment rutscht ein Banner darüber.
Google nutzt diese Werte als ein Signal unter vielen. Eine schnelle Website allein bringt Sie nicht nach oben, wenn Inhalt und Relevanz fehlen. Umgekehrt kann eine sehr langsame Website die Besucher verlieren, die Google Ihnen bereits schickt.
So messen Sie Ihre Website selbst
Sie brauchen dafür kein technisches Wissen:
- Öffnen Sie PageSpeed Insights, ein kostenloses Messwerkzeug von Google, und geben Sie die Adresse Ihrer Website ein.
- Wählen Sie die Ansicht „Mobil“. Die meisten lokalen Suchen kommen vom Smartphone.
- Oben sehen Sie – falls genug Besucherdaten vorhanden sind – die Werte echter Nutzer der letzten 28 Tage. Darunter folgt ein Labortest mit einer Punktzahl von 0 bis 100. „Labortest“ bedeutet: Google lädt Ihre Seite einmal in einer simulierten Umgebung, also mit einem nachgestellten Smartphone und einer nachgestellten Mobilfunkverbindung (Google: Über PageSpeed Insights).
Für kleine Websites mit wenigen Besuchern zeigt Google oft keine Daten echter Nutzer an, weil dafür genügend Besuche nötig sind. Dann ist der Labortest der wichtigste Anhaltspunkt. Testen Sie nicht nur die Startseite, sondern auch die Seiten, über die Kunden anfragen, etwa „Kontakt“ oder „Leistungen“.
Ein einfacher Praxistest ergänzt die Messung: Öffnen Sie Ihre Website auf dem eigenen Handy im Mobilfunknetz, nicht im WLAN des Büros. Wie lange dauert es, bis Sie Telefonnummer, Öffnungszeiten oder das Kontaktformular sehen?
Die häufigsten Bremsen bei lokalen Websites
Bei kleinen Websites tauchen bestimmte Ursachen immer wieder auf:
Zu große Bilder. Ein Foto direkt aus der Kamera oder dem Handy hat oft mehrere Megabyte. Auf dem Bildschirm wird es aber nur einige hundert Pixel breit angezeigt. Moderne Bildformate wie WebP oder AVIF und passend verkleinerte Bilder sparen viel Ladezeit.
Baukästen und Themes mit viel Ballast. Themes sind fertige Designvorlagen für eine Website. Viele dieser Vorlagen laden Schriften, Animationen, Schieberegler und Funktionen, die auf der Seite gar nicht genutzt werden.
Zu viele Erweiterungen (Plugins). Plugins sind Zusatzprogramme, die einer Website weitere Funktionen geben. Jede Erweiterung kann zusätzliche Dateien laden. Über Jahre sammeln sich oft Plugins an, die niemand mehr braucht.
Externe Dienste. Eingebettete Karten, Videos, Social-Media-Feeds, Chat-Fenster und Tracking-Skripte (kleine Programme, die das Verhalten der Besucher erfassen) laden Inhalte von fremden Servern. Das kostet Zeit – und kann datenschutzrechtliche Fragen aufwerfen. So hat das Landgericht München I am 20.01.2022 entschieden, dass die Einbindung von Google Fonts direkt von Google-Servern ohne Einwilligung die IP-Adresse des Besuchers (eine Art Internet-Anschrift seines Geräts) unzulässig weitergibt (LG München I, Az. 3 O 17493/20). Es handelt sich um das Urteil eines einzelnen Landgerichts, nicht um eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs. Schriften lassen sich stattdessen auf dem eigenen Server ablegen.
Cookie-Banner, die alles blockieren. Ein Banner, das erst geladen werden muss und dann den ganzen Bildschirm verdeckt, verzögert den ersten Eindruck. Wer auf unnötige Tracking-Dienste verzichtet, braucht oft gar kein Einwilligungsbanner.
Langsames Hosting. Hosting ist der gemietete Server, also der Speicherplatz im Internet, auf dem Ihre Website liegt. Sehr günstige Pakete teilen sich einen Server mit vielen anderen Websites. Das merkt man vor allem zu Stoßzeiten.
PDF statt Seite. Speisekarten, Preislisten oder Flyer als PDF sind auf dem Handy schwer lesbar und müssen komplett heruntergeladen werden. Als normale Textseite sind sie schneller und für Google lesbar.
Was Sie sofort tun können
Nicht alles erfordert eine neue Website. Oft helfen schon diese Schritte:
- große Bilder verkleinern und in einem modernen Format neu hochladen,
- ungenutzte Plugins, Schieberegler und Animationen entfernen,
- eingebettete Karten durch einen einfachen Link zu Google Maps ersetzen,
- Schriften lokal einbinden statt von fremden Servern,
- prüfen, welche Tracking-Dienste Sie tatsächlich auswerten – und den Rest entfernen,
- wichtige Informationen wie Öffnungszeiten als Text statt als Bild oder PDF darstellen.
Danach messen Sie erneut mit PageSpeed Insights und vergleichen die Werte. Notieren Sie sich Datum und Ergebnis, damit Sie spätere Änderungen einordnen können.
Wann sich ein Neuaufbau lohnt
Wenn eine Website auf einem überladenen Baukasten oder einem veralteten System basiert, stoßen kleine Verbesserungen irgendwann an Grenzen. Ein schlanker Neuaufbau mit wenigen, gut gemachten Seiten ist dann oft einfacher als endloses Nachbessern. Ob das bei Ihnen der Fall ist, hängt vom Einzelfall ab – eine pauschale Antwort gibt es nicht. Mehr zu unserem Angebot lesen Sie auf unserer Seite Webdesign in Essen; Angebote für einzelne Branchen finden Sie unter Branchen.
Fazit
Eine langsame Website kostet Anfragen, die Sie nie sehen. Gerade in einer Stadt wie Essen, in der es für fast jede Leistung mehrere Anbieter in der Nähe gibt, entscheidet der erste Eindruck auf dem Smartphone mit darüber, wer angerufen wird. Die gute Nachricht: Die häufigsten Ursachen lassen sich messen und beheben.
Wenn Sie wissen möchten, wie schnell Ihre Website auf dem Handy ist und woran es hakt, können Sie bei localgrowth eine kostenlose Analyse anfragen.